Kein Kies Zum Kurven Kratzen_RELOADED
Seit 2007 realisiert InterACT mit „Kein Kies zum Kurven kratzen: Neuer Armut entgegenwirken“ sein bislang größtes partizipatives Kunst- und Forschungsprojekt. Ziel dieses  – unter Mitwirkung von mehr 45 KooperationspartnerInnen realisierten InterACT-Projekts ist es, mit Mitteln des interaktiven Forumtheaters auf kreative Weise Lösungsideen und Vorschläge zu entwickeln, um Armut entgegenzuwirken. Hintergrund dieses ist der Widerspruch, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich trotz Wirtschaftswachstums und steigender Gewinne vergrößert. Während knapp 10% der SteirerInnen über zwei Drittel des gesamten Vermögens verfügen, leben 150.000 SteirerInnen, das sind 12,5%, unter der Armutsschwelle, rund 70.000 davon in akuter Armut.


Die Kraft des interaktiven Forumtheaters „Kein Kies zum Kurven kratzen“ wird genutzt, um emotionale Beteiligung sowie die lebensnahe und kreative Auseinandersetzung mit dem Thema „Armut" zu aktivieren und auf Entscheidungs- und VerantwortungsträgerInnen einzuwirken. Über einen künstlerischen und dialogischen Prozess werden Lösungsansätze entwickelt, unter Einbeziehung von armutsgefährdeten und armutsbetroffenen Menschen, deren Perspektiven und Anliegen von Anfang an in das Projekt einbezogen wurden.


Das Stück



Gezeigt wird die Geschichte der Familie Schmölzer, die zunächst ein „ganz normales Leben“ führt. Der Vater ist Maschinenschlosser, die Mutter Hausfrau und Nebenerwerbsschneiderin. Die Tochter Petra geht noch zur Schule, Julia, die andere Tochter, lebt mit ihrem Mann in einer anderen Stadt und arbeitet erfolgreich als Immobilienmaklerin. Doch als Herr Schmölzer aufgrund eines Bandscheibenvorfalles seinen Job verliert, lange arbeitslos ist und schließlich als Leiharbeiter nur mehr einen Bruchteil seines alten Gehaltes verdient, nimmt das Unglück seinen Lauf, die Familie gerät nach und nach in eine Armutsspirale mit dramatischen Folgen und Auswirkungen auf ihr Leben.

Scheint es für die Mitglieder der Familie zunächst noch Handlungsspielräume zu geben, wird zunehmend sichtbar und spürbar, was es bedeutet, mit immer weniger Geld „die Kurve kratzen“ zu müssen: die psychischen Belastungen, der Stress und vor allem die Konflikte innerhalb der Familie nehmen zu. Sie führen schließlich dazu, dass sich die Eltern scheiden lassen und jeweils alleine ihr „Glück“ versuchen.  Doch die Situation verschärft sich, weder Herr noch Frau Schmölzer können am Arbeitsmarkt Fuß fassen, die Tochter muss neben ihrem Schulbesuch arbeiten, was sich auf die Schulleistungen negativ auswirkt. Der Rückzug in die soziale Isolation verstärkt sich, die Katastrophe tritt ein, als die Bank einen Kredit in der Höhe von 15.000,-- € für die Wohnungseinrichtung der alten, gemeinsamen Wohnung fällig stellt.



Bisherige Stationen



Seit dem Start des Projekts im Frühjahr 2007 gab es mehr als 30 Forumtheateraufführungen mit mehr 200 Einstiegen und mehr als 300 politischen Vorschlägen durch das Publikum. Diese Anliegen und Vorschläge sind an Verantwortungs- und EntscheidungsträgerInnen aus den Bereichen Politik, Verwaltung, Behörden und Wirtschaft gerichtet unmittelbar dort, wo politische und behördliche Entscheidungen getroffenen werden, wird die Kraft des Theaters genutzt, um Thema und Vorschläge an Verantwortungs- und EntscheidungsträgerInnen zu kommunizieren.

Einige der Vorschläge haben bereits Eingang in das Grazer Aktionsprogramm gegen Armut (2009) gefunden, einer Aufführung im Steiermärkischen Landtag (Juni 2008) folgten die Abschaffung der Regresspflicht bei der Sozialhilfe und die Einsetzung eines eigenen Unterausschusses im Mai 2009: Er hat den Auftrag, sich mit den Ergebnissen des Projekts und seinen Auswirkungen auf die Landesgesetzgebung zu befassen.


0612/ 2006
Recherche, Vernetzung, Konzeption unter Einbindung von Politik, ExpertInnen und NGO’s

0104/ 2007
Einbindung von ExpertInnen, Bildung  des Projektbeirats

02/ 2007
Kick-Off-Vernetzungsworkshop mit über 40 VertreterInnen aus Politik, Behörden und von NGO’s

04/ 2007
Durchführung des 5-tägigen Forumtheaterworkshops „Kein Kies Kum Kurven Kratzen“ mit 30 armutserfahrenen Menschen aus der gesamten Steiermark. Die Ergebnisse des Workshops bilden die Grundlage für die Szenen und Bilder der Forumtheaterproduktion.

05/ 2007
Entwicklung, Recherchen und Proben für das Forumtheater „Kein Kies zum Kurven kratzen“

05 – 10/ 2007
mehr als 40 begleitende Straßentheateraktionen in Graz und in steirischen Gemeinden erreichten mehr als 3.000 ZuschauerInnen

06 – 12/ 2007
Erste Aufführungsserie: 18 Forumtheateraufführungen in Graz und in steirischen Gemeinden und zwei  Gemeinden außerhalb der Steiermark – unter Teilnahme von sozialen Organisationen und PolitikerInnen. Mehr als 1.000 ZuschauerInnen intervenierten dabei 160 Mal in das Spielgeschehen und versuchten, ihre Lösungsideen umzusetzen. Mehr als 300 Vorschläge, neuer Armut entgegenzuwirken, werden dabei formuliert.

11 /2007
Dokumentation und Auswertung aller Vorschläge und Forderungen
Zusammenfassung und Darstellung der zentralen Vorschläge, Ideen und Forderungen, Rückspielung an ExpertInnen.
Regelmäßige Workshop mit Betroffenen zur Gewichtung und Diskussion der zentralen Vorschläge.
Erstellung eines Berichts mit allen Vorschlägen und Forderungen.




Seit Ende 2007 wird das Projekt unter dem Titel „Theater an die Macht: Neuer Armut entgegenwirken“ weitergeführt, der Fokus lag dabei darin, das Stück bzw. die Anliegen an politische, wirtschaftliche und behördliche „Orte der Macht“ zu bringen. Folgende Veranstaltungen wurden bislang realisiert (Auswahl):

20.12.2007
Präsentation dieses Berichts  in der Orangerie der Grazer Burg auf Einladung von LH-Stv. und Soziallandesrat Kurt Flecker, Übergabe an VerantwortungsträgerInnen

17.06.2008
Aufführung im Steiermärkischen Landtag.
Der Einladung von Landtags-Präsident Siegfried Schrittwieser und LH-Stv. Dr. Kurt Flecker folgten zahlreiche verantwortliche PolitikerInnen und Fachleute, das Projekt wurde präsentiert, eine Diskussion mit VertreterInnen aller Fraktionen sowie ExpertInnen setzte sich mit den Ergebnissen des Projekt auseinander.

15.12.2008
Präsentation des Doku-Films „Kein Kies zum Kurven Kratzen – Aufführung im Steirischen Landtag“ mit anschließender Diskussion mit den DiskussionsteilnehmerInnen der Landtagsaufführung im Rechbauerkino Graz (Status Quo, Was ist bis jetzt passiert?)

17.12.2008
Aufführung und Diskussion bei der Tagung der AMS-LandesgeschäftsstellenleiterInnen in Schladming

25.03.2009
Projektpräsentation und Aufführung bei der Auftaktveranstaltung des Grazer Aktionsprogramms gegen Armut im Rathaus Graz

29.05.2009
Konstitution eines Unterausschusses im Steiermärkischen Landtag, der sich mit den Ergebnissen des Projekts und seinen Auswirkungen auf die Landesgesetzgebung auseinandersetzt.

11.06.2009
Projektpräsentation und Aufführung bei der internationalen EAPN-Konferenz in Wien

12.10.2009
Leitung eines Workshops für armutserfahrene Menschen zum „Grazer Aktionsprogramm gegen Armut“ – Formulierung von Forderungen und Vorschlägen.

 

Auftaktveranstaltung zum "EU-Jahr der Armutsbekämpfung":

22.2.2010
Präsentation des Stückes "Kein Kies zu Kurven Kratzen" in der aktualisierten Fassung bei der Eröffnung des "EU-Jahres zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung" in Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer und Sozialminister Rudof Huntsdorfer.



Stationen 2010:



24.02.2010
Kick-Off-Workshop mit relevanten Stakeholdern (Februar 2010)
Im Rahmen der 8. Armutskonferenz 2010 wird das Konzept des Projekts vorgestellt und Möglichkeiten der Beteiligung mit relevanten Stakeholder aus soziale Organisationen, Selbstorganisationen von Menschen mit Armutserfahrungen, Medien, Armutsforschung sowie Behörden/Politik geklärt

07.04. – 10.04.2010
Theaterworkshop für/mit 30 Frauen und Männer(n) mit Armutserfahrungen
In diesem Workshop für Frauen und Männer mit Armutserfahrungen aus ganz Österreich werden mit Methoden der Theaterpädagogik und des szenisch-partizipativen Forschens relevante Themen und Anliegen erarbeitet und Impulse für die Adaptierung des Forumtheaterstückes gegeben.

03 – 05/ 2010
Neuadaptierung und Aktualisierung des Forumtheaterstückes
Auf Basis der Ergebnisse des Workshops sowie weiterer Recherchen wird das Forumtheaterstück „Kein Kies zum Kurven kratzen“ eine Revision und Aktualisierung unterzogen, vor allem dahingehend, welche Themen und Anliegen bundesweite Relevanz und Aktualität besitzen.

05/ 2010 – 11/ 2010
Aufführungen des adaptierten Forumtheaterstückes in Graz, der Steiermark und allen Bundesländern
In allen Bundesländern werden an unterschiedlichen Orten (allgemeine Öffentlichkeit) bzw. für spezifische Stakeholder (zB. MitarbeiterInnen Sozialamt/AMS/soziale NGOs, Ministerien, Parlament etc.) interaktive Forumtheateraufführungen mit Publikumsdiskussionen und Dokumentation aller Einstiege und Lösungsvorschläge durchgeführt.
08.06., Graz, Nice Little Theatre / 09., 11., 12.06.,Graz, Nice Little Theatre / 07.07., Ebersdorf, Gemeindezentrum / 22.09., Innsbruck, Haus der Begegnung / 23.09., Bregenz , Theater Kosmos / 24.09., Bozen, Auditorium Roen / 25.09., Kufstein, Saal der Landesmusikschule / 04.10., Strobl am Wolfgangsee, Bildungshaus Strobl / 15.10., St. Pölten, Kulturhaus St. Pölten-Watram / 18.10., Gleisdorf, Kulturkeller / 19.10., Wien, Haus der Begegnung / 08.11., Linz, Arbeiterkammer / 09.11., Wien, AMS-Veranstaltung / 09.11., Wien, Brunnenpassage, Yppenplatz / 10.11., Leoben, Stadttheater / 14.11., Klagenfurt, Künstlerhaus / 29.11., Wien, Parlament

11/ 2010
Ergebnisworkshop (November 2010)
Vorbereitung bzw. Aufbereitung der Ergebnisse für die Erarbeitung von 100 Vorschlägen gegen Armut und daraus folgenden konkrete Vorschläge für Gesetzesänderungen im Parlament zusammen mit dem Projektbeirat.

29.11./ 2010
Abschlussveranstaltung im Parlament (November/ Dezember 2010)
In der Abschlussveranstaltung im Parlament mit Nationalratsabgeordneten, Projektteam, Darstellerinnen, Beiräten, weiteren VertreterInnen von Selbstorganisationen von Menschen mit Armutserfahrungen, VertreterInnen weiterer relevanter Stakeholder und weiteren politischen EntscheidungsträgerInnen wird das Stücks nochmals interaktiv aufgeführt. Die Ergebnisse des Projekts (100 Vorschläge und Vorschläge für Gesetzesänderungen) werden mit Mitgliedern der Parlamentsausschüsse diskutiert und deren Umsetzung vorbereitet.


 

Beteiligte Personen von
InterACT
Projektleitung und künstlerische Gesamtleitung:
Dr.Michael Wrentschur

DarstellerInnen Forumtheater:
SilviaGangl
RainerHatzl
FranzHofer
SandraNedeljkovic
Mag.a Gabriele Skledar

Regie und Spielleitung Forumtheater:
Dr.Michael Wrentschur

Produktionsleitung:
Mag.a Lisl Nußhold

Technische Produktionsleitung:
WolfgangRappel

Bühnenbild:
BerhardBauer
WolfgangRappel

Maske:
Mag.a Lisl Nußhold

Lichttechnik:
GerhardMichl
ClemensZabini

Recherche:
Dr.Michael Wrentschur
Mag.a Lisl Nußhold

Medien und Öffentlichkeitsarbeit:
Dr.Michael Wrentschur
Brigitte Schaberl

 


Dokumentation:

Mag.a Lisl Nußhold
WolfgangRappel
Dr.Michael Wrentschur
Brigitte Schaberl

Coaching der DarstellerInnen:
MarianneKöberl-Wrentschur
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FördergeberInnen: 2010 Europäisches Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung

BMASK

BMUKK

EU


Land Steiermark: Kultur


Land Steiermark: Soziales und Arbeit


Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung

Stadt Graz: Kultur

Stadt Graz: Soziales

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